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Hummeln sterben aus. Chaos im Ökosystem?

Der Verlust der Hummeln, zum Teil aufgrund von Temperaturextremen und -schwankungen, könnte schlimme Folgen für die Ökosysteme und die Landwirtschaft haben.

Hummeln, die Bestäuber, die gern gesehenen Insekten in unserem Garten sind für uns Menschen lebenswichtig. Doch die können wir bald nicht mehr sehen, denn sie sind schon längst vom Aussterben bedroht.

Neue Forschungen mit Hilfe eines umfangreichen Datensatzes haben ergeben, dass die Insekten weit weniger häufig sind als früher; in Nordamerika sieht man in einem bestimmten Gebiet fast 50 Prozent weniger Hummeln als vor 1974.

Darüber hinaus sind mehrere einst übliche Arten aus vielen Gebieten, in denen sie einst gefunden wurden, verschwunden. Zum Beispiel ist die rostige geflickte Hummel, die früher in Ontario gedeihte, heute nicht mehr in ganz Kanada zu finden – in den USA ist sie gefährdet.

Wo gehen sie aber hin?

In einem neuen Artikel von Science haben Forscher mit Hilfe eines komplexen Modellierungsprozesses den Schluss gezogen, dass ihr Rückgang zu einem großen Teil durch den Klimawandel bedingt ist.

„Diese Rückgänge hängen damit zusammen, dass die Arten über Temperaturen hinaus gedrängt werden, die sie bisher nicht tolerieren mussten“, sagt Studienleiter Peter Soroye, Doktorand an der Universität Ottawa. „Ihr Verschwinden aus einer Region bedeutet, dass sie entweder umgezogen oder gestorben sind.“

Es ist seit langem bekannt, dass Hummeln mit ihren wuscheligen Körpern und ihrer Fähigkeit, beim Fliegen Wärme zu erzeugen, besser für kaltes Wetter geeignet sind. So sind sie im Frühling oft als erste Bienen draußen. Wie anfällig sie für Hitzewellen und Wetterschwankungen sind, ist für die meisten Arten noch nicht genau bekannt. Diese Studie legt jedoch nahe, dass es eine Grenze für ihre Anpassungsfähigkeit gibt.

Warum sind Hummeln so wichtig?

Honigbienen gelten allgemein als die häufigsten Bestäuber, und sie sind die am meisten untersuchten, aber Hummeln sind die Hauptbestäuber von Rotklee, Luzerne, Ackerbohnen, Erbsen, Stangenbohnen, Tomaten und in einigen Gebieten von Baumwolle, Himbeeren, Äpfeln, Pflaumenblüten, Raps, Sonnenblumen, Erdbeeren, Johannisbeeren und Brombeeren.

Hummeln sind fleißige Bestäuber, weil sie sich über Millionen von Jahren zusammen mit blühenden Pflanzen entwickelt haben. Die Bienen brauchen die Blüten als Nahrung, während die Blume die Biene zur Fortpflanzung braucht. Im Gegensatz zu anderen Insekten sind Nektar und Pollen von Blütenpflanzen die einzige Nahrungsquelle der Bienen; das süße Nektargetränk gibt den erwachsenen Bienen Energie. Pollen ist proteinreiche Babynahrung.

Im Buch Über die Entstehung der Arten (englisch: On the Origin of Species) berichtete Charles Darwin über die Ergebnisse eines von ihm durchgeführten Experiments. 100 Köpfe des Rotklees (Trifolium pratense), die geschützt waren und deshalb von den Bienen nicht besucht werden konnten, produzierten keine Samen. 100 Rotklee, die zurückgelassen waren, damit Bienen sie besuchen und bestäuben konnten, produzierten 2.700 Samen. Der Rotklee ist wichtig als Saatgutpflanze, Nahrung für Kühe und andere Grasfresser, und auch seine Wurzeln binden Stickstoff in Knötchen und machen ihn so zu einem natürlichen Dünger.

Also die überwiegende Mehrheit der Pflanzen, die wir zur Ernährung benötigen, ist auf die Bestäubung angewiesen, insbesondere durch Hummeln. Deswegen braucht unsere Ökosystem sie.

Aber sie sind in Schwierigkeiten. In der Öffentlichkeit und in der Politik wächst die Besorgnis über den weltweiten Rückgang der Bienen, besonders der Hummeln. Dieser Rückgang wird durch eine Kombination von Belastungen verursacht – vom Verlust ihres Lebensraums und ihrer Nahrungsquellen bis hin zur Belastung durch Pestizide und die Auswirkungen des Klimawandels.

Die Erhaltung unserer einheimischen Flora hängt auch von gesunden Bestäuberpopulationen ab. Dazu gehören Wildblumen wie Mohn, Kornblumen und Glockenblumen, aber auch Bäume und Sträucher. Die enge Beziehung zwischen den Bestäubern und den von ihnen bestäubten Pflanzen wird durch den parallelen Rückgang in Großbritannien und Europa deutlich: 76% der von Hummeln bevorzugten Pflanzen sind in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen, 71% haben in ihrem geografischen Verbreitungsgebiet einen Rückgang zu verzeichnen.

Mehr als je zuvor müssen wir die Bedeutung der Hummeln, allgemein der Bienen für die Natur und unser Leben erkennen. Und wir müssen dies in die Tat umsetzen, um sicherzustellen, dass sie nicht nur überleben, sondern gedeihen.

Wenn die Biene von der Erdoberfläche verschwinden würde, hätte der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.

Albert Einstein

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